Mutter eines inhaftierten Journalisten verschwunden

CHINA

FEBRUAR 2019

Pu Wenqing, die Mutter des inhaftierten Journalisten Huang Qi

Pu Wenqing, die Mutter des inhaftierten Journalisten Huang Qi, wird seit dem 7. Dezember vom Staat an unbekanntem Ort festgehalten. In den letzten Wochen wird erneut auf ihren Sohn Druck ausgeübt, damit er Geständnisse im Vorfeld seines Gerichtsverfahrens ablegt. Er befindet sich seit über zwei Jahren in Lebensgefahr.

Die 85-jährige Pu Wenqing ist am 7. Dezember 2018 verschwunden, als sie sich nach Peking begeben hatte, um anlässlich des 70. Jahrestags der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte eine Petition abzugeben, damit ihr Sohn freigelassen wird. Gleich nachdem sie am Westbahnhof von Peking aus dem Zug gestiegen war, folgten ihr Polizisten, die sie festnahmen und misshandelten, indem sie sie zu Boden drückten. Danach wurde sie zum Kommissariat gebracht, wo sie kurz Gelegenheit bekam, ihre Angehörigen zu benachrichtigen. Diese sind seitdem ohne Nachricht von Wenqing, wissen nicht, wo sie sich aufhält und ob sie überhaupt noch in Peking ist. Bestimmten Quellen zufolge soll sie von der Polizei in ihre Herkunftsprovinz Sichuan gebracht worden sein und sich dort derzeit in Haft befinden.

Pu Wenqing hat ihren Sohn, den unabhängigen Journalisten Huang Qi, nie aufgegeben. In den letzten Wochen übt die Leitung der Strafanstalt in Mianyang verstärkten Druck auf den Sohn aus, der sich seit dem 28. November 2016 ohne Verfahren in Haft befindet. Nach Aussagen seiner Anwälte, die ihn am 12. Dezember besuchen durften, versuchen die Vertreter der Anklage, ihm Geständnisse abzunötigen im Hinblick auf das noch nicht eingeleitete Verfahren gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft lehnt es noch immer ab, Huang Qi aus medizinischen Gründen mit Auflagen freizulassen, obwohl der Gesundheitszustand des Journalisten äußerst bedenklich ist.

Huang Qi ist Gründer der unabhängigen Informations-Website 64Tianwang, die Menschenrechtsverletzungen in China dokumentiert. Er leidet an erheblichen physischen Nachwirkungen früherer Gefängnis- und Arbeitslageraufenthalte und insbesondere an einer chronischen Nierenerkrankung, Hydrozephalus und Kreislauf- und Lungenkrankheiten. Huang Qi hat mitgeteilt, dass er von Polizisten mehrfach gefoltert und misshandelt und von anderen Häftlingen geschlagen worden ist, um ihn zu Geständnissen zu zwingen. Trotz allem hat er es durchweg abgelehnt, sich schuldig zu bekennen.

Die ACAT greift die Beschwerden aus der Umgebung von Huang Qi wegen dessen alarmierendem Gesundheitszustand auf und ersucht die chinesischen
Behörden, ihn aus medizinischen Gründen freizulassen. Außerdem vertritt sie die Auffassung, dass die Mutter des Journalisten willkürlich und ohne
rechtliche Grundlage in Haft gehalten wird, und fordert dringend dazu auf, sie unverzüglich und ohne Bedingungen freizulassen.

Übersetzung des Briefes:

 

 

 

 Sehr geehrter Herr Minister,

 

aufgrund von Informationen, die ich von der ACAT Luxemburg erhalten habe, bringe ich Ihnen meine starke Besorgnis zum Ausdruck wegen des
Schicksals von Frau Pu Wenqing, die seit dem 7. Dezember 2018 an unbekanntem Ort in Haft gehalten wird.

 

Als die 85-jährige Pu Wenqing per Zug in Peking angekommen war, folgten ihr Polizisten, die sie festnahmen und misshandelten, indem sie
sie zu Boden drückten. Danach wurde sie zum Kommissariat gebracht, wo sie kurz Gelegenheit bekam, ihre Angehörigen zu benachrichtigen. Diese
sind seitdem ohne Nachricht von Wenqing und wissen nicht, wo sie sich aufhält.

 

Pu Wenqing war nach Peking gekommen, um auf den Gesundheitszustand ihres Sohnes, des Journalisten Huang Qi, aufmerksam zu machen, der sich seit mehr als zwei Jahren ohne Gerichtsverfahren in der Strafanstalt von Mianyang (Sichuan) in Haft befindet. Der Gesundheitszustand des Journalisten verschlechtert sich in
besorgniserregendem Ausmaß, insbesondere wegen Misshandlungen während der Haft. Zudem leidet er an einer chronischen Nierenerkrankung, Hydrozephalie und Kreislauf- und Lungenkrankheiten.

 

In Anbetracht dieser Gegebenheiten ersuche ich Sie, Herr Minister, dringend darum, 

 

  • anzuordnen, dass Pu Wenqing unverzüglich und ohne Bedingungen freigelassen wird;
  • zu veranlassen, dass Huang Qi zügig, regelmäßig und ohne Einschränkungen die von ihm verlangte beziehungsweise benötigte medizinische Betreuung erhalten darf;
  • anzuordnen, dass Huang Qi unverzüglich und ohne Bedingungen freigelassen wird, und alle Beschuldigungen gegen ihn aufzuheben;
  • unverzüglich neutrale Ermittlungen über die behaupteten Folterungen und Misshandlungen anzuordnen, einschließlich einer ärztlichen Untersuchung.

 

Mit vorzüglicher Hochachtung

 

Handeln Sie, indem Sie diesen Brief verschicken

Mehr Informationen zu den letzten Appellen

Appell des Monats – Januar 2019

Libyen / Menschenrechtsverletzungen in Flüchtlingshaftlagern / Kooperation von Luxemburg mit der libyschen Küstenwache / Übergriffe auf Seenotrettungskräfte

Appell des Monats – Dezember 2018

Dieser Appell richtet sich an Aserbaidschan. In dieser ehemaligen Sowjetrepublik herrscht ein Klima von Unsicherheit und Gewalt. Amnesty International stellt fest, dass die Beschränkung der Meinungsfreiheit in letzter Zeit zugenommen hat, besonders nachdem aufgedeckt wurde, dass auf politischer Ebene im großen Stil Korruption praktiziert wird.

Kontaktieren Sie ACAT Luxembourg

T +325 44 743 558

Bereitschaftsdienst : Mittwoch und Freitag von 9.30 bis 12.00 ausser in den Schulferien oder nach Vereinbarung

contact@acat.lu

Sitz
5,Av Marie-Thérèse
L-2132 Luxemburg

Folgen Sie uns auf facebook

Zusätzliche Informationen
Sehen Sie sich unsere Statuten an
©2017 ACAT Luxembourg

Bankkonto

IBAN LU77 1111 0211 9347 0000
Gemeinnützige Vereinigung, Spenden sind steuerlich absetzbar

Schreiben Sie uns